Von Steer‑Management zum Gegenmodell: All Excess Agency als Alternative nach Hardtechno‑Skandal
Analyse der Hardtechno-Kernschmelze: Wie All Excess Agency das Trümmerfeld von Steer Management zur infrastrukturellen Neuausrichtung nutzt.
Techno: Aufruhr und Wandel
Die Technoszene exerziert derzeit das durch, was der Philosoph Kilian Jörg als „Normalität der Katastrophe“ beschreibt: Ein System rast so lange ungebremst auf Verschleiß, bis die strukturelle Zerstörungskraft das Fundament pulverisiert. Der Zusammenbruch von Steer Management markiert keinen plötzlichen Betriebsunfall, sondern das folgerichtig autodestruktive Ende einer Ära.

Wo Profitmaximierung und patriarchale Machtkonzentration das »Business Techno« befeuerten, blieb nach der Kernschmelze des Steer-Netzwerks nur ein Trümmerfeld. Die Branche steht vor einer Zäsur: Entweder sie professionalisiert ihre Schutzmechanismen, oder sie kollabiert endgültig unter der Last ihrer eigenen Ignoranz.
Die Hardtechno-Kernschmelze: Das Versagen von Steer Management
Wenn sich Management-Strukturen angesichts massiver Missbrauchsvorwürfe als „keine Ermittlungsbehörde“ tarnen, ist das kein Unvermögen, sondern strategische Ignoranz. Diese Rhetorik schützt primär den Cashflow, während sie die „Duty of Care“ – die elementare Sorgfaltspflicht gegenüber Künstlern und Fans – faktisch liquidiert.

Die sogenannten „Steer-Files“ fungieren nicht bloß als Skandal-Liste, sondern als Diagnose eines todkranken Systems. In dieser patriarchalen Machtarchitektur stützte toxisches Verhalten das Geschäftsmodell, solange die Buchungszahlen stimmten. Der Skandal markiert den Totalschaden eines Modells, das Integrität als verzichtbares Add-on behandelte.
| Künstler | Kern der Reaktion | Status der Karriere |
| Shlømo | Vollständige Zurückweisung, Vorwurf der Diffamierung. | Rückzug, Einleitung rechtlicher Schritte. |
| CARV | Eingeständnis expliziter Nachrichten, Bestreiten von Übergriffen. | DJ-Projekt dauerhaft beendet. |
| Odymel | Erklärung durch „Sexsomnie“ (Schlafstörung). | Vorläufige Auszeit. |
| Fantasm | Vollständige Zurückweisung der Anschuldigungen. | Ankündigung rechtlicher Gegenwehr. |
| Basswell | Schweigen gegenüber der Öffentlichkeit. | Unklar / Keine öffentliche Äußerung. |
Dieser infrastrukturelle Offenbarungseid löste eine Fluchtbewegung aus. Hochkarätige Artists wie Luca Agnelli, Alt8 und Afem Syko kündigten ihre Zusammenarbeit mit Steer fristlos auf. Dieser Massenexodus markiert die Geburtsstunde eines neuen Marktzwangs: Wer heute keine glaubwürdige Accountability-Struktur bietet, verliert seine wichtigste Ressource – das künstlerische Kapital.
All Excess Agency: Infrastruktur statt Influencer-Marketing
Am 23. Februar 2026 vollzog die All Excess Agency in Berlin einen infrastrukturellen Counter-Move. Die Agentur setzt nicht auf das nächste virale Reel, sondern auf die Verknüpfung von künstlerischer Autonomie mit sozialer Rechenschaftspflicht. Dieses Modell bedroht das bisherige „Business Techno“ im Kern, da es den Prozess der „Extraktion“ – das rücksichtslose Ausbeuten von Hype-Zyklen – zugunsten von Nachhaltigkeit und Sicherheit abbremst.

Das All Excess Modell definiert vier operative Ankerpunkte:
- Ethik-Klauseln: Verträge enthalten strikte Zero-Tolerance-Bestimmungen. Fehlverhalten führt zur sofortigen ökonomischen Sanktionierung und Vertragsauflösung.
- Mental Health Support: Die Agentur institutionalisiert professionelle psychologische Unterstützung, um den systemimmanenten Druck der Szene abzufedern.
- Mentorship: Erfahrene Akteure fördern FLINTA*-Talente innerhalb weiblich geführter Strukturen, um die männlichen Gatekeeping-Muster zu infiltrieren.
- Transparente Partnerschaften: Die Agentur bucht Künstler nur in Räume, deren Veranstalter nachweislich Verantwortung für ihre Awareness-Strukturen übernehmen.
Dieses Framework trägt die Handschrift einer Akteurin, die das Spielfeld bereits kennt: Stella Bossi.
BASIS-INFOS: Das Spielfeld der Hardtechno-Szene
Für Quereinsteiger im Business: Hardtechno-Management fungiert als Gatekeeper an den strategischen Knotenpunkten der Szene. Es entscheidet über Sichtbarkeit und ökonomischen Aufstieg. -Repräsentation* (Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen) bleibt oft ein Lippenbekenntnis, solange männlich dominierte Agenturen den Zugang zu den Mainstages kontrollieren. Booking-Agenturen sind hierbei die Exekutive, die über die Sicherheit hinter den Kulissen bestimmt.
Stella Bossi: Provokation als politisches Werkzeug
Stella Bossi navigiert in einem Spannungsfeld zwischen Influencer-Status und dem Anspruch auf radikale Reform. Kritiker reduzieren sie oft auf ihren „Molly for Breakfast“-Content, doch ihre Historie erzählt eine andere Geschichte. Mit ihrem Label TBMF (The Beat Must Fuck) experimentierte sie bereits früh mit demokratischen A&R-Modellen. All Excess ist kein plötzlicher Pivot, sondern die logische Eskalation ihrer infrastrukturellen Experimente. In einem System patriarchaler Gatekeeper dient Bossis enorme Reichweite als das notwendige Brecheisen, um verkrustete Strukturen aufzubrechen.

Kritik-Perspektiven
Menschlich
Skeptiker werfen Bossi opportunistisches Re-Branding vor. Nutzt sie das Machtvakuum nach Steer lediglich für den eigenen Ausbau ihrer Marktanteile?
Philosophisch
Es stellt sich die Frage der „kapitalistischen Resilienz“. Kann eine Agentur, die marktübliche 20 % Provision verlangt, wirklich ein utopischer Exit aus dem System sein, oder ist es die Kommerzialisierung des Widerstands?
Gesellschaftskritisch
In der Szene gilt Bossi oft als „Logan Paul des Techno“. Die Skepsis bleibt groß, ob eine Künstlerin, die Szene-Klischees ironisch vermarktet, die nötige Ernsthaftigkeit für eine ethische Neuausrichtung besitzt.
Konfiguration von Safe Spaces: Mehr als nur ein Label

Safe Spaces dürfen keine Marketing-Hülse sein. All Excess begreift Sicherheit als organisatorisches Prinzip. Die Kooperation mit Me Too DJs (@metoodjs) bildet den harten strukturellen Anker für rechtliche und psychologische Sicherheit. Hier werden Eskalationspfade institutionalisiert, statt sie dem Zufall zu überlassen.
Praxis-Tipps für die Sorgfaltspflicht (Duty of Care):
- Eskalationspfade: Veröffentlichen Sie vor jedem Event klare Ansprechpartner für Übergriffe.
- Personalschulung: Sensibilisieren Sie Security- und Awareness-Teams gezielt für Machtmissbrauch im Backstage-Bereich.
- Transparenz: Machen Sie den Code of Conduct zum verbindlichen Vertragsbestandteil jeder Buchung.
Zweifel am Dancefloor: FAQ
Ist All Excess nur eine PR-Maschine für Stella Bossi?
Likes bauen keine Infrastruktur, Verträge schon. Die Agentur misst sich an der Durchsetzung ihrer Ethik-Klauseln, nicht an Klickzahlen.
Können Agenturen Missbrauch wirklich verhindern?
Sie sind keine Polizei, aber sie halten die Hand am Geldhahn. Wer Täter ökonomisch isoliert, entzieht dem Missbrauch die Existenzgrundlage.

Warum braucht es eine „Female-Focused“ Agentur?
Weil das bisherige System „Male-Focused“ war, ohne es ehrlich zu deklarieren. Aktive Steuerung korrigiert passiven strukturellen Ausschluss.
Was ändert sich konkret für den Fan?
Die Gewissheit, dass der Artist auf der Bühne nicht durch Machtmissbrauch dorthin gelangt ist und das Management hinter den Kulissen nicht wegsieht.
Sind Ethik-Klauseln rechtlich bindend?
Ja. Wenn Schadensersatzforderungen an Verhaltenskodizes gekoppelt sind, wird Moral zu einem harten wirtschaftlichen Faktor.
Fazit: Die Resilienz der Moderne bricht

Der Hardtechno-Skandal hat das „Auto-Regime“ der Szene entlarvt: Ein Management-Stil, der alles „glättet“, was den Profit stört, und Betroffene als „neutrale Kollateralschäden“ in einer Hochgeschwindigkeitsmaschine verbucht. Diese Resilienz der Moderne, die toxische Muster unter dem Deckmantel der Professionalität konserviert, erleidet durch Modelle wie All Excess einen notwendigen Totalschaden.
All Excess Agency ist der Versuch eines utopischen Auswegs aus der autodestruktiven Vernunft des bisherigen Business Techno. Ob die Szene wirklich heilt, entscheidet nicht der nächste solidarische Instagram-Post, sondern die harte Realität des nächsten unterschriebenen Vertrags. Die Ära der strategischen Ignoranz ist vorbei.

QUELLEN
- STEER FILES: Alles auf einen Blick — Detaillierte Zusammenfassung der Vorwürfe und der Reaktionen im Steer-Skandal.
- Stella Bossi Launches All Excess Agency — Gründungsdetails und programmatische Ausrichtung der neuen Agentur.
- Sexismus in der Techno-Szene: Hang the male DJs — Analyse patriarchaler Machtstrukturen und Diskriminierung in der elektronischen Musik.
- Moral Music Management: Ethical Decision-Making After Avicii — Wissenschaftliche Untersuchung zur ethischen Verantwortung im Management.
- Das Auto und die ökologische Katastrophe — Kilian Jörgs philosophische Analyse zur Resilienz der Moderne und dem Auto-Regime.
- Interview with DJ Stella Bossi — Einblicke in Bossis Werdegang, ihr Label TBMF und ihre Sicht auf die Szene.
- Stella Bossi gründet Booking Agency All Excess — Bericht über den strukturellen Ansatz zur Aufbrechung patriarchaler Netzwerke.




































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